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Lotto spielen oder Aktien kaufen?

Oktober 29th, 2008 · 2 Comments

Die aktuelle Krisensituation am Finanzmarkt und an den Börsen lässt einen doch zweifeln. Der Kapitalismus „pur“, den wir in den letzten Jahren erfahren haben, ist offensichtlich nicht so toll, wie viele immer behauptet haben. Aktuell muss man sich fragen, ob nicht der Börsenhandel eine abgewandelte Art des Lottospielens sei.
Für mich stellt sich die Frage, ob das System der Aktiengesellschaften, die an der Börse gehandelt werden, nicht überflüssig oder sogar falsch ist. Offensichtlich führt doch dieses System dazu, dass die Gesellschaften ihren Auftrag aus dem Blickfeld verlieren. Eine Bahngesellschaft hat den wesentlichen Auftrag, Personen zu befördern; eine Telefongesellschaft soll ihren Kunden die Telefonie (und darüber hinausgehende Leistungen) bereitstellen. Ein Fahrzeughersteller soll Fahrzeuge herstellen.
In dem Moment aber, wo sich die Gesellschaften in Aktiengesellschaften wandeln, vergessen sie ihren eigentlichen Auftrag. Urplötzlich lautet der „neue“ Auftrag: Gewinnmaximierung. Egal wie, hauptsache viel Gewinn – weil dann die Aktionäre, die heimlichen Besitzer, zufrieden sind. Weil dann mehr Aktionäre investieren wollen, weil dadurch der Kurs steigt, weil die Aussicht auf mehr Gewinn lockt, weil die Gier lockt – mehr Geld!
Und als wenn das nicht bereits genug des Zockens wäre: hinzu kommen Derivate, Optionsscheine, Leerverkäufe usw. Eine absolut legale Lotterie, an der der (deutsche Steuer-)Staat nicht wirklich verdient. Sobald aber Unternehmen pleite gehen oder Insolvenz anmelden, ist der Staat zur Stelle. Er hilft mit Milliarden Euro aus dem Steuersäckel(!). Wie heißt es so schön: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert. Super! Aber, sind an den Gewinnen nicht auch immer alle beteiligt – also die Gesellschaft durch (Mehr-)Steuereinnahmen, durch Beschäftigung, durch Investitionen?
Nein. Die Gesellschaften haben Wege gesucht und gefunden, wie sie die Steuerlast minimieren können. Beschäftigte werden trotz Milliardengewinne entlassen. Investitionen werden beschränkt oder eingestellt. Es gibt nur noch ein Ziel: den Gewinn.
Das System funktioniert nicht. Es ist ohne Ethik und ohne Moral. Hier bleiben Menschen auf der Strecke. Menschen, die den Unternehmen gedient haben – zum Teil lange gedient haben. Menschen, durch die das Unternehmen erst zu dem geworden ist, was es heute ist. Sie sind das eigentliche Kapital der Gesellschaften – aber sie sind aus dem Blickfeld der „Manager“ verschwunden. Vermutlich gab es vor einigen Jahren einige Gelehrte, die ihren Schülern genau das an die Hand gegeben haben: „das teuerste in der Produktionskette ist der Arbeiter. Ersetze ihn und dein Gewinn steigt.“
Gibt es keine Alternativen? Doch: die erste (und beste) Alternative ist, die Aktiengesellschaften abzuschaffen! Als nächstes müssen die Gewinne der Unternehmen beschränkt werden. Ein gewisser Prozentsatz des Gewinns sollte eine Gesellschaft tatsächlich machen dürfen – mehr aber auch nicht! Die Gewinnmaximierung darf nicht das oberste Ziel sein. Oberstes Ziel einer jeden Gesellschaft muss ihr Auftrag sein: die Bahngesellschaft soll Personen befördern, die Telefongesellschaft Telefonie ermöglichen, der Fahrzeughersteller Fahrzeuge herstellen. Sie müssen nicht Gewinne maximieren. Genügen nicht fünf Prozent Gewinn? Warum müssen es zehn oder mehr sein? Nur weil dann mehr Aktien verkauft werden (könnten)?
Hier stimmt was nicht…

Tags: Allgemein · zeitgeschehen

2 responses so far ↓

  • 1 Tina Thompson // Nov 8, 2008 at 11:46

    Cool site, loved the info and I will continue to check back for updates.

  • 2 sedax // Dez 25, 2008 at 09:28

    Fantastic work!
    🙂

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